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Aktuelles:

Vom Handballfeld auf den Landratsstuhl

"Unter vier Augen" heute mit: Kai Emanuel

(Torgau/Wsp/kp). „Seinen Jungen die goldene Schale in die Luft recken zu sehen, mit dem Adler auf der Brust und dem Familiennamen hinten drauf – das macht schon unglaublich stolz“, schwärmt Kai Emanuel von einem der schönsten Erlebnisse als Vater. Anno 2014 war das: In Österreich wird Deutschland überraschend Handball-Europameis­ter der Junioren. Kapitän der hochtalentierten Nachwuchs-Auswahl ist Max Emanuel, des Landrats älterer Sohn.
Handball und die Emanuels – das passt. „Bei einem Wettbewerb in der Schule wurden etwa 30 Jungs gesichtet, die einen Ball gegen die Wand schmeißen sollten. Anscheinend habe ich mich dabei nicht so schlecht angestellt“, schmunzelt Kai Emanuel. Die Leidenschaft war entfacht. Noch vor der Wende ging es bis in die Bezirksliga, immerhin die dritthöchste Spielklasse im Osten.
Und wie das eben so ist, wenn der Vater viel Zeit in der Sporthalle verbringt: Die Söhne kommen auf kurz oder lang mit. „Irgendwann waren sie im Alter, um selbst anzufangen. Dann habe ich auch Traineraufgaben im Jugendbereich übernommen und später sogar im Vorstand mitgewirkt“, blickt der Delitzscher zurück. Nach Concordias großen Bundesligazeiten kam die Insolvenz und die Neugründung des heutigen NHV Concordia Delitzsch.
Die Söhne Max (24) und Oskar (20) durchliefen die Jugendteams, spielten für die Handball-Akademie Delitzsch/Leipzig und haben noch viel vor. Der Ältere ist jüngst mit der SG BBM Bietigheim in die 1. Bundesliga, die immer noch als bes­te Liga der Welt bezeichnet wird, aufgestiegen. Oskar hat es vom Lober an die Elbe gezogen. Er steht im Perspektivkader des Zweitligisten HC Elbflorenz Dresden, warf im Unterhaus bereits 14 Tore.
„Meine Frau und ich machen den beiden jedoch keinen sportlichen Druck“, bremst Vater Kai. In Max‘ Zeit beim SC DHfK Leipzig sorgte eine längere Verletzungspause für reichlich Freizeit. „Er war Profi und hat alles etwas schleifen lassen. Wir haben alle miteinander eingesehen, dass eine Veränderung her musste.“ Also ab ins baden-württembergische Bietigheim. Weit weg von zu Hause, Halbprofi-Dasein und duales Studium. „Das ist schon heftig, aber er hat es durchgezogen und zudem noch Spaß dabei“, freut sich Emanuel senior.
So oft es geht, besuchen die Eltern die Spiele ihrer Jungs. Der Terminkalender ist seit drei Jahren schließlich noch etwas enger gezurrt. 2015 trat der heute 50-Jährige in die riesigen Fußstapfen seines langjährigen Chefs Michael Czupalla. Geplant war das keinesfalls. „Ich war nie jemand, der sich gemeldet hat. Wenn man das plant, wird es ohnehin nichts“, ist er überzeugt. Die Anfrage der CDU kam. Nach reichlicher Überlegung sagte er zu. Für viele, das zeigt auch das deutliche Wahlergebnis, war Emanuel der logische Nachfolger auf den Landratsposten.
Der gelernte Elektromonteur entzog sich 1992 der eintönigen Tätigkeit im Delitzscher RAW und absolvierte innerhalb von drei Jahren seinen Diplom-Verwaltungswirt an der Fachhochschule in Meißen. „Ich wurde am 1. September 1990 zur NVA eingezogen, ging also dann recht zügig zur Bundeswehr über. Da hatte ich gleich den ersten Kontakt zur bundesdeutschen Verwaltung“, erinnert sich Emanuel, der sich selbst als „Zahlenmensch“ bezeichnet und auf diese Weise Blut leckte.
Als Absolvent des zweiten Jahrgangs nach der Wende ging es zum Delitzscher Landratsamt. Relativ schnell wurde Emanuel Amtsleiter, durchlief zahlreiche Bereiche wie Rechnungsprüfungs- und Verkehrsamt sowie die Finanzverwaltung. Ab 2008 arbeitete er als Finanzbeigeordneter und Kämmerer des Landkreises Nordsachsen, sozusagen als rechte Hand Czupallas, zu dem er auch heute noch regen Kontakt pflegt.
Im Juni 2015 betrat der Sportfan dann die bislang letzte Sprosse der steilen Karriereleiter: Landrat im Großkreis Nordsachsen. Mit Blick auf den damaligen Wahlkampf gibt er mit einem verschmitzten Grinsen zu: „Meinen Urlaub hätte ich mir durchaus auch anders vorstellen können.“ Nichtsdestotrotz habe ihm der direkte, offene Kontakt zu den Leuten sehr viel Spaß bereitet.
Nach nun gut drei Jahren im Amt, also etwa der Hälfte der Legislaturperiode, bietet sich eine kleine Bilanz an. Emanuel zeigt sich mit den Fortschritten bei den Themen Breitband und Straßenbau durchaus zufrieden. „Beim Breitband haben wir nun nach zwei Jahren alle Bescheide und werden bis Ende 2020 fertig sein und bei den Bundesstraßen 87 und 2 haben wir eine Kommunikation mit Anwohnern und Bürgermeistern gefunden, die realitätsnah ist“, fasst er zusammen. Außerdem setzt der Landrat die Initiative „Nordsachsen bewegt“ auf die Plus-Liste, positioniert sich beim Blick auf Bad Düben jedoch eher für Investitionen in den Bus anstatt in die Schiene. Nachholebedarf bestehe laut Emanuel noch beim Kreisentwicklungskonzept sowie bei den neuen Herausforderungen der Digitalisierung im eigenen Haus.
Was hält der Landrat eigentlich von Bad Düben? Klar, das Heide Spa – da ist der Landkreis ja auch nicht unwesentlich beteiligt – sei eine „kleine Erfolgsgeschichte“. Mit Kurdirektor Ole Hartjen habe man damals einen echten Glückstreffer erzielt. „Bad Düben hat zudem eine sehr gute Bürgermeisterin. Das muss ich wirklich sagen. Astrid Münster ist unglaublich engagiert. Sie beeindruckt einen immer wieder mit ihren Ideen. Es macht allgemein Spaß, mit Bad Düben zu arbeiten.“ Was für ein Lob.
Kai Emanuel trat 2015 in große Fußstapfen, jedoch auf seine ganz eigene Art. Völlig anders als sein eher extrovertierter Vorgänger und dennoch raumfüllend mit einer gelassenen, ja fast coolen Art. Stets mit einem Lächeln auf den Lippen, charmant und dennoch mit klaren Zielen. Dabei weiß er – aus eigener Erfahrung – um die Bedeutung eines guten Teams um sich. Ein Mannschaftssportler eben.

KURZ GEFRAGT!
Lieblingsessen:
Alles, was meine Frau auf den Tisch bringt
Lieblingsgetränk:
Rotwein
Lieblingsrestaurant:
Restaurant „Rhodos“ in Delitzsch
Lieblingsurlaubsregion:
Hauptsache Berge zum Skifahren
Lebensmotto:
„Wir Politiker reden dem Bürger zu oft nach dem Mund und nicht nach dem Kopf.“
(Manfred Rommel, ehem. Oberbürgermeister Stuttgarts)
Drei Personen, mit denen Sie gern einmal zu Abend essen würden:
Stefan Stoppok (Liedermacher)
Gisela Färber (Finanzwissenschaftlerin)
Andreas Eschbach (Schriftsteller)