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Aktuelles aus Bad Düben:

Was macht eigentlich... Jörg Uhle-Wettler? „Ich vermisse die kurzen Wege und engen Kontakte“

Großer Mann im großen Dom: Jörg Uhle-Wettlers Arbeitsplatz ist gleichzeitig Wahrzeichen der Stadt Magdeburg.

(Magdeburg/Wsp/kp). Vor ziemlich genau zwei Jahren kehrte Pfarrer Jörg Uhle-Wettler Bad Düben den Rücken, nach zwei Jahrzehnten voller Einsatz nicht nur für die evangelische Kirchgemeinde. Er ging, weil sich in Nordsachsen die personelle Situation immer schwieriger gestaltete und weil er aus Magdeburg das Angebot seines Lebens erhielt. Der Dübener Wochenspiegel besuchte ihn in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt und sprach mit ihm über die Unterschiede von Kur- und Großstadt sowie unterschätzte Veränderungen.
Der 8.8.2018 war nicht nur der heißeste Tag des Jahres, sondern auch ein beliebtes Datum für heiratswillige Paare. Bedeutet: Arbeit für den Domprediger. Zwischen zwei Hochzeiten bleibt eine zweistündige Zeitspanne für den willkommenen Gast aus Bad Düben. Der erste Weg führt zum Kühlschrank. Kaltes Wasser – perfekt!
„Ich habe den Wechsel unterschätzt“, knallt Uhle-Wettler gleich zu Beginn einen raus. Die unmittelbare Nähe zu den Leuten fehle ihm. Neue Menschen kennenlernen, das eigene Netzwerk aufbauen, sich Arzt und Werkstatt organisieren und vieles mehr erforderte mehr Arbeit als gedacht. „Bestes Beispiel sind die Konfirmanden. In Bad Düben kannte ich die Eltern und Familien dazu. Hier habe ich 50 um mich, deren Familienzusammenhänge sich langsam erschließen“, sagt er. Grundsätzlich sei alles viel anonymer. „In Bad Düben kommen alle zusammen. Hier bewegt sich alles in Milieus. Privat trifft man sich eher selten.“ Das kann auch Vorteile mit sich bringen: So könne er seit dem Umzug auch mal zum Abschalten durch die Stadt radeln, ohne angesprochen zu werden. „Aber Bad Düben fehlt mir. Ich vermisse die kurzen Wege und engen Kontakte.“
Das klingt klagend, soll aber nicht falsch verstanden werden. „Ich habe diese zwei Jahre gebraucht, um anzukommen. Bereut habe ich diesen Schritt aber zu keinem Zeitpunkt“, stellt Uhle-Wettler klar. Diese Chance auf dem Dom bekomme man schließlich höchs­tens einmal. „Mir wurde zudem eine hohe Wertschätzung beim Abschied zuteil. Das war toll. Lieber so gehen, als dass sie sich während deiner Zeit fragen, wie lange er das denn noch machen will“, blickt der hochgewachsene Mann zurück. Für ihn schloss sich in Magdeburg ein Kreis. Schließlich lebte er im Alter von 4 bis 14 Jahren bereits in der Elbstadt. Uhle-Wettlers Frau Ulrike hat eine Anstellung als Musik- und Kunstlehrerin gefunden, Tochter Helene geht aufs benachbarte Domgymnasium. Die beiden Söhne Jonathan und Kons­tantin studieren derweil in Leipzig und Dresden.
Am Dom und Domgymnasium besteht ein hohes Anforderungsprofil. Die sehr engagierte Gemeinde ist zahlenmäßig nicht viel größer als die Dübener Gemeinde, hinzu kommen aber viele Touristen und Magdeburger Domliebhaber. Sonntags um 10 Uhr sind da schnell 200 Leute zusammen zum Gottesdienst.
Wenn Schulgottesdienste gefeiert werden, sind alle 800 Stühle besetzt. Und der Arbeitsplatz zwischen Staatskanzlei und Landtag ist auch politisch eine neue Herausforderung. Gerade zur täglichen Mittagsandacht um 12 Uhr kommen in der Woche auch etliche Mitarbeitende aus den Ministerien.
Der Dom als Gebäude gehört dem Land, die Inhalte füllt die Domgemeinde aus, die auch die Führungen organisiert und personell abdeckt. Typischer Uhle-Wettler-Satz: „Nur wer sich geführt weiß, kann auch führen.“   
Die Domtür öffnete sich zum richtigen Zeitpunkt. Uhle-Wettler hat zwei Küster, eine Sekretärin, eine Gemeindepädagogin und den südafrikanischen Kantor Barry Jordan an seiner Seite. Ein Mammutprojekt steht bereits in Aussicht: Im Jahr 2020 jährt sich die Fertigstellung des Doms zum 500. Mal. Dazu wird es viel Tamtam geben. „Wir sind derzeit mit Architekten dran, den Innenraum zu optimieren. Unter anderem muss ein neues Lichtkonzept her. Dabei wollen wir uns an der Bad Dübener Stadtkirche orientieren“, sagt der 52-Jährige. Richtig gelesen: Dübens St. Nikolai ist Vorbild für den Magdeburger Dom. Das dürfte man gern lesen an der Mulde.
Mit Blick auf das Alter steht fest: Bad Düben werde definitiv die längs­te berufliche Station Uhle-Wettlers bleiben. „Es ist und bleibt ein großer und immens wichtiger Teil meines Lebens.“ Nun gilt die Konzentration Magdeburg, wo er mittlerweile sogar einen guten Draht zum hiesigen Fußball-Zweitligisten aufgebaut hat. So wurde bei Heimspielen das Magdeburger Lied mit der Zeile „lst denn die Elbe immer noch die selbe, fragt sich der Dom und wundert sich“ angestimmt und dabei stilistische Domglocken auf der Leinwand gezeigt. „Das musste sich ändern. Da hab ich ein Kamerateam eingeladen, die die echten Glocken aufgenommen haben. Seitdem werden die Richtigen im Stadion gezeigt“, erzählt Uhle-Wettler stolz.
Wie im Flug waren zwei Stunden um. Zum Abschied eine Umarmung. „Grüß mir mein Bad Düben“. Wird gemacht.

  • Jörg Uhle-Wettler wird am 19. September (19.30 Uhr) mit dem Vortrag „Warum sollt ich mich denn grämen?“ im Rahmen 400 Jahre Dreißigjähriger Krieg wieder in der Bad Dübener Stadtkirche zu sehen sein.
  • Wie der Domprediger verriet, wird die Bad Dübener Kurrende im nächsten Jahr am 3. Oktober im Dom auftreten. Auch Kantor und guter Freund Norbert Britze wird hoffentlich auch einmal auf der riesigen Orgel spielen, die dreimal so viele Register wie die Dübener Orgel hat.